
Unser Nervensystem bildet im Kern dessen, was wir sind!
Der menschliche Körper besteht aus vielen Organsystemen. Einige beschützen uns, einige ernähren uns oder halten uns in Bewegung. Doch es gibt ein Organsystem, das alle anderen steuert und das uns zu dem Menschen macht, der wir sind- das Nervensystem. Einfach gesagt, es nimmt die Welt in uns und rund um uns wahr und sagt uns, wie wir reagieren sollen. Sollen wir springen, laufen, essen, uns fürchten oder doch weinen - all diese Entscheidungen trifft es in Sekundenbruchteilen und schafft so Emotionen, Ideen und Erinnerungen. Ein faszinierendes Netzwerk, das nie aufhört zu reagieren.
Das Gehirn ist ein Hochleistungsrechner! Verbunden mit einem Netzwerk aus Nerven und Fasern, die den gesamten Körper durchziehen, in perfekter Synergie zusammenarbeiten und Signale in Reaktionen umzuwandeln. Das Nervensystem besteht aus Milliarden hochspezialisierten Zellen - den Neuronen. Sie feuern ihre Signale innerhalb einer tausendstel Sekunde ab und sind die Bausteine des Gehirns. Nur durch sie ist der Mensch fähig sich zu bewegen, zu denken, zu entscheiden, zu träumen, Emotionen zu fühlen und Dinge zu sehen oder zu hören. Aber das Geniale an diesen Zellen ist, dass sie sich für bestimmte Abläufe trainieren lassen. Dadurch können wir uns selbst vollständig verändern. Wir nennen das die Neuroplastizität. Bis ca zum 25 Lebensjahr werden “Neuronale Pathways” fertig ausgebildet. Die sich, bis zu unserem Lebensende, ständig geringfügig verändern und sich an neue Situationen und Bedingungen anpassen können. Das betrifft nicht nur Bewegungsprogramme wie das Gehen, Laufen, Springen uvm über die wir im Grunde nicht mehr nachdenken müssen, sondern auch für Verhaltensweisen und die Reaktion auf emotionale Situationen.
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Es liegt daran wie wir Informationen aufnehmen und idividuell verabeiten!
Die Hauptaufgabe unseres Gehirns ist das Überleben unseres Organismus zu schützen. Es strebt nach genauen Informationen unserer Sinnes- und Organsysteme, um adäquate Vorhersagen auf die kommende Situation treffen zu können. “Denn wenn ein Raubtier die Krallen in unseren Rumpf rammt, ist es zu spät”. Das gleiche gilt für Bewegung. Wenn das Gehirn eine Zielbewegung nicht adäquat vorhersagen kann, weil Informationen beispielsweise aus dem propriozeptiven System fehlen, sendet das Gehirn ein Signal an den Organismus, dass die Bewegung bedrohlich für das Gesamtsystem wird. Dieses Signal kennen wir als Schmerz. Auf das können sich viele chronische Schmerzen zurückführen lassen, deren keine strukturellen Verletzungen oder Erkrankungen zu Grunde liegen. Langfristig können dieses fehlende Signal oder die falsche Interpretation, negativ zum psychischen Wohlbefinden beitragen. Aber auch nach Verletzungen können durch die Neuroplastizität neue motorische Muster einer Bewegung erlernt werden, um den Schmerz in der Heilungsphase zu vermeiden und um beispielsweise ein Gelenk vor einer erneuten Verletzung zu schützen - ganz klassisch das Hinken. Nur besteht das Problem darin, dass nach der Heilung die Zielbewegung durch das neue motorische Programm durchgeführt wird und so Fehlstellungen und sogar Schmerzen in anderen Bereichen des Bewegungsapparates hervorgerufen werden können. Bei Leistungssportlern führt das beispielsweise so weit, dass diese Nuancen über Erfolg oder Misserfolg entscheiden können.
Das Gleiche gilt für emotionale Dysbalancen. Emotionen sind an Erinnerungen geknüpft und umgekehrt. Erinnerungen können Emotionen auslösen und Emotionen helfen dabei Erinnerungen zu speichern. Dies funktioniert über alle Sinnessysteme. Der Geruch kann uns an einen bestimmten Menschen denken lassen, das Gehör kann uns mit bestimmten Geräuschen in vergangene Situation zurückversetzen - genauso funktioniert es auch mit dem Sehen, dem Fühlen und dem Geschmack. Unsere Erinnerungen und die damit verbundenen Emotionen lassen sich genauso abrufen wie ein motorisches Programm. So lassen sich auch Stress, Ungeduld, Aggression aber auch weitreichende psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angstzustände, Panikattacken uvm. erklären.
